Energiekonzept Mehrum wird gefördert

Der Förderantrag für die Entwicklung eines Energiekonzeptes für die Ortschaft Mehrum ist am 29.05.2020 an die KfW übersandt worden. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat mit Bescheid vom 03.07.2020 einen Zuschuss in Höhe von rund 77.000 Euro zur Erstellung eines integrierten Quartierskonzeptes für den Energieort Mehrum bewilligt.

Matthias Möhle (SPD-Landtagsabgeordneter), Uwe Semper (SPD-Kreistagsabgeordneter), Peter Goor (SPD-Fraktionsvorsitzender des Gemeinderates) sowie Ullrich Helwes (SPD-Ortsvereinsvorsitzender) begrüßen ausdrücklich diese Entscheidung. Besonders freut sich der Ortsrat Mehrum mit SPD-Fraktionssprecher Andreas Brinkmann sowie Ortsbürgermeister Jens Böker über die Bewilligung.

v.l.n.r: Andreas Brinkmann, Ulrich Helwes, Uwe Semper, Heinz Heuer, Ingelore Horn, Peter Goor, Carolin Garcia, Matthias Möhle, Günter Hesse, Jens Böker

Mit dem KfW-Programm 432 wird die Erstellung integrierter Quartierskonzepte für energetische Sanierungsmaßnahmen einschließlich Lösungen für die Wärmeversorgung, Energieeinsparung, -speicherung und -gewinnung unter besonderer Berücksichtigung städtebaulicher, denk­mal­pflegerischer, baukultureller, wohnungswirtschaftlicher und sozialer Belange gefördert.

Darüber hinaus werden mit dem KfW-Programm „Energetische Stadtsanierung“ vertiefte integrierte Quartierskonzepte zur Steigerung der Energieeffizienz der Gebäude und der Infrastruktur insbesondere zur Wärmeversorgung entwickelt. Diese Konzepte zeigen unter Beachtung der vorgenannten Aspekte auf, welche technischen und wirtschaftlichen Energieeinsparpotenziale im Quartier bestehen und welche konkreten Maßnahmen ergriffen werden können, um kurz-, mittel- und langfristig CO2-Emissionen zu reduzieren.

Im Rahmen des Vorhabens soll für die Ortschaft Mehrum im Landkreis Peine ein ganzheitliches und nachhaltiges integriertes Quartierskonzept mit der Zielvorgabe einer emissionsoptimierten bzw. im Idealfall neutralen Energieversorgung entwickelt werden. Die Energiebereitstellung in Form von Wärme, Kälte und Strom soll im Wesentlichen auf Basis von regenerativen Energien erfolgen.

Zur Historie:

Unter der Leitung des damaligen Baurats Gemba hat der Landkreis Peine im Jahr 2018 die Entwicklung eines sog. Quartierskonzeptes zur autarken Energiegewinnung im Hinblick auf die seitens der Bundesregierung vorgegebenen Klimaschutzziele 2020/2050 zur CO²-neutralen Energiegewinnung regionsweit überprüft und festgestellt, dass die Ortschaft Mehrum in diesem Zusammenhang eine besondere und innovative Rolle übernehmen könnte. Die SPD-Fraktion des Ortsrates Mehrum verbindet damit die Erwartung, dass neben den Klimaschutzzielen zusätzlich die wirtschaftliche Situation der Gemeinde gestärkt wird und die Bürgerinnen und Bürger von steuerlichen Vorteilen einer energetischen Sanierung sowie ggf. einer kostengünstigen Energielieferung profitieren. Der Ortsrat Mehrum führte Gespräche u.a. mit der Geschäftsführung des Kraftwerks Mehrum, Herrn Fieber, und sammelte Ideen für die Umsetzung des Projektes.

Nach Vorgesprächen mit dem Bau- und Umweltdezernenten des Landkreises Peine, der Klimaschutzagentur sowie Prof. Kühl von der Ostfalia Hochschule beantragte die SPD-Ortsratsfraktion Mehrum einen Grundsatzbeschluss zur Entwicklung eines Energiequartierskonzeptes für die Ortschaft Mehrum. Der Gemeinderat hat daraufhin am 21.06.2018 den entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst. Neben der grundsätzlichen Zustimmung umfasste der Ratsbeschluss, dass in Kooperation mit dem Landkreis Peine unter Federführung der damaligen Klimaschutzagentur Hildesheim-Peine die Umsetzung einer Quartiersbildung zwecks vollumfänglicher Versorgung der Ortschaft Mehrum mit regenerativer Energie geprüft werden sollte. Sofern die Prüfung zu einem positiven Ergebnis kommt, sollten die Ziele einer möglichen Quartiersbildung für die gesamte Ortschaft Mehrum umgesetzt werden.

Der Landkreis Peine hat das Projekt zwar grundsätzlich positiv bewertet, aber seinerzeit keine konkrete Zusage für eine finanzielle Beteiligung geben können. Aufgrund der regionalen Bedeutung für die Erreichung der Klimaschutzziele im Landkreis Peine hat daraufhin die SPD-Kreistagsfraktion auf Initiative von Uwe Semper einen entsprechenden Förderantrag beim Landkreis eingereicht.

Am 12.12.2019 hatte der Rat der Gemeinde Hohenhameln die Haushaltsmittel für eine Machbarkeitsstudie bewilligt. Wenn der Rat zur nächsten Sitzung beschließt, den Sperrvermerk aufzuheben, kann die Studie mit Datenerhebung und Konzept­ent­wicklung auf den Weg gebracht werden.

Das ist ein großer Meilenstein, findet Ortsbürgermeister Jens Böker. Wir könnten in Mehrum Versorgungslösungen mit Wärme, Kälte, „grünen“ Strom, Wasserstoff und den Bereich Mobilität intelligent verbinden. Die vor Ort verfügbaren Ressourcen wie Windkraftanlagen, Biogasanlage, Kompostwerk Biogenes Zentrum Peine GmbH, Kraftwerk Mehrum mit einer möglichen Umstellung auf Wasserstofferzeugung sowie ggf. ein Biomasse-BHKW´s des ortsansässigen Holzhändlers soll in die Konzeptentwicklung eingebunden werden. Weiterer Planungsbestandteil könnte die unmittelbare Angrenzung der Ortschaft an den Mittellandkanal, die einerseits die Nutzung von Wasser zur Wärmebereitstellung ermöglicht und andererseits die Unterquerung mit Energieversorgungstrassen bedingt.

Im Hallenbad ist ein Gas-Blockheizkraftwerk (inkl. Heizkessel) installiert, das von der Gemeinde Hohenhameln betrieben wird und neben dem Hallenbad die angrenzenden Objekte Sporthalle, Jugendbegegnungsstätte, Feuerwehrgerätehaus, Schießstand, Dorfgemeinschaftshaus und Kindertagesstätte versorgt. Teil der Quartiersentwicklung ist, die Wärmezentrale zu sanieren, umzurüsten und zu erweitern, sodass ggf. auch Mehrfamilienhäuser versorgt werden können. Außerdem soll eine Umstellung auf Biogas aus dem Industriegebiet geprüft werden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das Kraftwerk Mehrum aktuell zusammen mit VW und Siemens eine Studie zur Wasserstoffherstellung am Standort Mehrum in Auftrag geben will. Hier könnten ggf. Synergieeffekte erzielt werden.

Wichtig ist dem Ortsrat vor allem, dass im Rahmen der Machbarkeitsstudie die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürgern berücksichtigt werden. Die Ergebnisse von Haushaltsbefragungen sollen in Bürgerforen diskutiert werden und in die Entscheidungsfindung für die zukünftige Nutzung umweltfreundlicher CO2-neutraler Energietechnologien einfließen.

Der Ortsrat freut sich auf ein Leuchtturmprojekt für Mehrum, die Gemeinde und den Landkreis!

Foto: Cathy Brinkmann